Rosmarin und Zwiebelextrakt: Was die Forschung zu Haarwachstum wirklich zeigt

Haardichte verändert sich mit der Zeit — bei den meisten Menschen irgendwann spürbar. Rosmarin gilt seit Jahren als eines der meistuntersuchten pflanzlichen Mittel in diesem Zusammenhang, ergänzt in Radix durch Zwiebelextrakt. Was sagt die Forschung tatsächlich, und was bedeutet das für die Anwendung?

Rosmarinöl im direkten Vergleich mit Minoxidil

Die meistzitierte Studie zu Rosmarin und Haarwachstum stammt von Panahi und Kollegen, veröffentlicht 2015 im Fachjournal Skinmed. 100 Personen mit androgenetischer Alopezie (erblich bedingtem Haarausfall) wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine trug über sechs Monate zweimal täglich reines Rosmarinöl auf die Kopfhaut auf, die andere Minoxidil 2%, einen etablierten Wirkstoff gegen Haarausfall.

Nach drei Monaten zeigte sich in beiden Gruppen noch keine signifikante Veränderung gegenüber dem Ausgangswert. Erst nach sechs Monaten stieg die Haaranzahl in beiden Gruppen deutlich an — und zwar in vergleichbarem Ausmaß. Ein Unterschied zeigte sich allerdings bei den Nebenwirkungen: Kopfhautjucken trat in der Minoxidil-Gruppe häufiger auf als bei den Teilnehmenden, die Rosmarinöl verwendeten.

Was das bedeutet: Rosmarinöl war in dieser Studie einem etablierten Wirkstoff ebenbürtig, bei offenbar besserer Verträglichkeit. Wichtig für die Einordnung: Verglichen wurde mit der niedrigeren Minoxidil-Konzentration (2%), nicht mit der häufiger verwendeten 5%-Variante. Und sechs Monate sind der Mindestzeitraum, den die Studie beobachtet hat — die Autoren selbst treffen keine Aussage darüber, was danach passiert.

Zwiebelextrakt: eine andere Ausgangslage

Die zweite häufig zitierte Studie zum Thema stammt von Sharquie und Al-Obaidi, veröffentlicht 2002 im Journal of Dermatology. Hier wurde roher Zwiebelsaft bei kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) untersucht — einer Autoimmunerkrankung, die sich von der erblich bedingten Haarausfall-Form deutlich unterscheidet, die Rosmarin in der ersten Studie adressiert hat.

62 Personen mit dieser Form von Haarausfall wurden aufgeteilt: Eine Gruppe trug zwei Monate lang zweimal täglich Zwiebelsaft auf die betroffenen Stellen auf, die Kontrollgruppe Leitungswasser. Die Zwiebelsaft-Gruppe zeigte ein deutlich schnelleres und häufigeres Nachwachsen der Haare als die Kontrollgruppe.

Was das bedeutet — und was nicht: Die Studie ist klein, auf eine spezifische Autoimmun-Form von Haarausfall begrenzt, und bis heute nicht in größerem Maßstab wiederholt worden. Sie lässt sich nicht 1:1 auf altersbedingt dünner werdendes Haar übertragen, das die meisten Menschen betrifft. Was sie aber zeigt: Die in Zwiebelextrakt enthaltenen schwefelhaltigen Verbindungen scheinen einen messbaren Effekt auf das Haarwachstum zu haben — der genaue Wirkmechanismus ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Warum Radix beide Wirkstoffe kombiniert

Rosmarin ist der am besten untersuchte und breiter anwendbare der beiden Wirkstoffe für die Art von Haarausfall, die die meisten Menschen betrifft — deshalb bildet er die Basis von Radix. Zwiebelextrakt wird ergänzend eingesetzt: als zusätzliche Wirkstoffquelle, nicht als Hauptversprechen.

Weder Rosmarin noch Zwiebelextrakt ersetzen eine dermatologische Abklärung, wenn Haarausfall plötzlich, stark oder in Schüben auftritt. Wer sich unsicher ist, sollte das ärztlich abklären lassen — Radix ist als pflegende, unterstützende Routine gedacht, nicht als medizinische Behandlung.

Was realistisch zu erwarten ist

Beide zugrundeliegenden Studien beobachteten ihre Effekte über Wochen bis Monate, nicht über Tage. Wer Radix regelmäßig anwendet — 2 bis 3 Mal wöchentlich über mehrere Wochen — folgt damit demselben Zeitrahmen, den auch die Forschung nahelegt. Schnellere Versprechen wären nicht durch die vorliegenden Daten gedeckt.


Quellen: Panahi Y, Taghizadeh M, Marzony ET, Sahebkar A. Rosemary oil vs minoxidil 2% for the treatment of androgenetic alopecia: a randomized comparative trial. Skinmed. 2015;13(1):15-21. Sharquie KE, Al-Obaidi HK. Onion juice (Allium cepa L.), a new topical treatment for alopecia areata. J Dermatol. 2002;29(6):343-346.

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